„Ohne Promotion in die Industrie“

mit Sebastian Zeisel und Lucas Zaehringer

von der Firma Avertim

 Aufgezeichneter Vortrag auf Google-Drive

Vielen Dank an Sebastian Zeisel und Lucas Zaehringer, dass sie uns einen interessanten Einblick in die Bewerbungswelt für Master-Alumni, die Anforderungen der Industrie und die Hintergründe von GMP/GxP in der pharmazeutischen Forschung im Rahmen unseres digitalen Berufsbildvortrages gewährt haben. Da im Anschluss leider nicht auf alle Fragen eingegangen werden konnte, haben sich die Vortragenden bereit erklärt uns diese in schriftlicher Form bereitzustellen. Im Folgenden Interview findet ihr alle Fragen, die über Sli.do gestellt wurden.

Der digitale Berufsbildvortrag steht auch zum Download bereit. Bei Interesse an der Nachsitzung, schreibt uns eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

 

Frage:

Schätzen Sie die Aufstiegschancen mit einem Masterabschluss gleichwertig ein wie mit einem Promotionsabschluss?

Avertim:

Das ist abhängig von der Einzelperson und deren Qualifikationen. Die Vorteile einer Promotion liegen, neben dem erworbenen Expertenwissen, in höherer persönlicher Reife, Projektmanagement- und Lebenserfahrung. Wenn der Bewerber oder die Bewerberin mit Masterabschluss diesen Vorsprung durch Hard und Soft Skills ausgleichen kann, dann können die Aufstiegschancen ebenso gut sein. Manchmal hat ein Masterand mit einem Jahr praktischer Erfahrung bessere Chancen auf einen Job in der Industrie, als ein Doktorand ohne Industrieerfahrung.

 

Frage:

Wo genau kann man GMP-Kurse neben dem Studium machen, da diese kostenpflichtig sind?

Avertim:

Es gibt eine große Anzahl von kostenpflichtigen und kostenfreien Anbietern. Schnupperkurse werden z.B. immer wieder an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main angeboten. Ein guter Ansprechpartner ist hier auch der Career Service der Universität Mainz. Einige Beispiele für kostenpflichtige Angebote (mit denen wir nichts zu tun haben) sind: HGA, IHK, Alfa Training, atv Seminar, mibeg, Comcave College, Habmann und Pharmaakademie.

 

 

Frage:

Gibt es bei Avertim viele Möglichkeiten zum Aufstieg?

Avertim:

Bei Avertim ist es möglich eine Karriere in den Bereichen Consulting, Business Management und Corporate Functions anzustreben (Junior, Senior, Managing, Principal, usw.). Anders als bei vielen anderen Beratungshäuser ist ein späterer Wechsel zwischen diesen Rollen möglich. Wir haben bei uns in Frankfurt z.B. Dr. Michael Barrera, der 2 Jahre lang als Consultant gearbeitet hat, bevor er in die Position des Business Managers gewechselt ist.

 

Frage:

Wie ist das Einstiegsgehalt mit Masterabschluss?

Avertim:

Avertim zahlt branchenübliche Einstiegsgehälter für Berater.

 

Frage:

Welche Zertifikate kann man als Masterstudent erlangen? Empfehlen Sie es ein GMP Zertifikat als Masterstudent abzulegen?

Avertim:

Wie in unserer Präsentation erwähnt kommt es darauf an, was genau der Bewerber oder die Bewerberin anstrebt. In den Lebenswissenschaften werden oft Zertifikate in den folgenden Bereichen nachgefragt: GMP/GxP-Beauftragter, Six Sigma Yellow/Green Belt, Projektmanagement, SCRUM, Digitale Werkzeuge (PowerBI, SAP)

 

Frage:

Frage an Sebastian. Wo und wie hast du GMP-Kurs gemacht?

Avertim:

Ich habe einen kostenpflichtigen Kurs bei der Habmann Group in Frankfurt am Main gemacht. Ob dies der richtige Weg für euch ist, kann ich euch leider nicht sagen.

 

Frage:

Wie kann man sein Softskill in written communication verbessern?

Avertim:

Ein einfachsten lässt sich die schriftliche Ausdruckweise durch Übung verbessern, aber auch Tutorials können hilfreich sein. Einige Tipps, sowohl für die schriftliche als auch in die mündliche Kommunikation sind: direkt auf den Punkt kommen, zuerst die zentrale Idee/ das wichtigste Argument formulieren und dieses erst bei Nachfrage/Bedarf zu rechtfertigen, diplomatisch und niemals aggressiv argumentieren, Aktionspunkte klar definieren.

Frage:

Was motiviert Sie dazu speziell in der Pharmaindustrie als Berater zu arbeiten?

Avertim:

Die Pharmaindustrie bietet ein interessantes Umfeld, das gut zu meinen Interessen und Fähigkeiten passt. Durch die Arbeit als Berater habe ich die Möglichkeiten für viele verschiedene Firmen zu arbeiten und diese kennen zu lernen.

 

Frage:

Hatten Sie den Job schon während des Studiums sicher? Wie lange waren Sie arbeitslos und wie hat sich die Zwischenzeit gestaltet?

Avertim:

Nach dem Studium habe ich zunächst den GMP-Kurs belegt. Während dieses Kurses habe ich mich aktiv beworben und Avertim kennen gelernt.

 

Frage:

Haben Sie bereits solche Schreiben von der FDA während Ihrer Zeit bei Avertim erhalten?

Avertim:

Nein, glücklicherweise hat noch keiner unseren Kunden ein solches Schreiben erhalten. Ein "Warning Letter" der FDA stellt den schlimmstmöglichen Ausgang einer Inpsektion dar.

 

Frage:

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Avertim:

Alles in allem gestaltet sich mein Arbeitstag so wie bei den meisten Menschen. Ein typischer Arbeitstag beginnt mit der Fahrt zum Kunden oder zu Avertim. Dort angekommen checke ich zunächst meine Emails und welche Termine ich an diesem Tag habe. Anschließend öffne ich unser Projektlogbuch und beginne meine anstehenden Arbeitspakete abzuarbeiten. Mittags gehe ich gemeinsam mit den Kollegen und den Mitarbeitern unseres Kunden in die Kantine. Über den Tag verteilt habe ich, manchmal mehr und manchmal weniger viele Meetings und Telefonkonferenzen. Am Ende meines Arbeitstages fahre ich wieder nach Hause. Meist fahre ich einen Tag die Woche zu Avertim nach Frankfurt, oder ich arbeite diesen Tag von Hause aus.

 

Frage:

Wie ist die Work/Life-Balance?

Avertim:

Beim Kunden im Projekt arbeite ich, genauso als wäre ich ein Angestellter seiner Firma. Es gibt natürlich immer Phasen in denen mehr Arbeit ansteht, so wie überall. In der Strategieberatung dagegen ist sehr üblich tagsüber länger (und auch in die Nacht hinein) zu arbeiten; das Modell bei Avertim ist da anders. Wir haben viele Seniorberater, die eine Familie haben und ihrer Region verbunden sind. Diese möchten natürlich gerne Zeit mit ihrer Familie verbringen und sind nur ungern sehr lange unterwegs oder gar Wochenendpendler.

 

Frage:

Gibt es für Sie etwas aus dem täglichen Leben, welche bei der Arbeit aushilft?

Avertim:

Ich denke man braucht ein bisschen Humor und sollte sich nicht zu ernst nehmen. In erster Linie sind wir Dienstleister und als solcher sollte man sich als Berater oder Beraterin auch verstehen.

 

Frage:

Wie wichtig sind andere praktische Erfahrungen in der Industrie?

Avertim:

Praktische Erfahrungen im Bereich Lebenswissenschaften sind immer von Vorteil. Allerdings stellt Avertim auch regelmäßig Absolventen ohne Berufserfahrung ein. Dann ist eine gute Vorbereitung, Interesse & Wissen an und über die Industrie, aber auch eure Zertifikate (z.B. GMP) entscheidend.

 

Frage:

Berater ohne vorherige Berufserfahrung. Vorteile und Nachteile beim Einstieg?

Avertim:

Das ist eher eine Frage der Persönlichkeit! Manche sind auch ohne Erfahrung bereit etwas Neues zu lernen und ins kalte Wasser zu springen. Im Prinzip, sind erste Erfahrungen eher hilfreich. Man kann Erwartungen und Anforderungen identifizieren, und herausfinden ob diese zu einem passen. Es hängt auch viel von dem ersten Projekt bei Avertim ab. Führt man es allein oder in einem Team durch, ist es ein operatives, oder strategisches / komplexeres Projekt.

 

Frage:

Ist ein Wirtschaftschemiestudium mehr von Vorteil als ein Chemiestudium?

Avertim:

Das könnte der Fall sein, wenn Sie sich direkt bei LS-Firmen bewerben. Aber bei Avertim machen Ihre Persönlichkeit und Ihre Fähigkeiten was Neues zu lernen den größeren Unterschied. Wir haben aber auch viele Consultants bei Avertim, die ein Doppelstudium (MINT & BWL oder MINT & MBA) abgeschlossen haben. Grundsätzlich ist es sicher von Vorteil, hauptsächlich wenn man sich mit Business & Management Themen beim Kundenprojekten beschäftigt.

 

Frage:

Wie kann man als Bewerber besonders auffallen?

Avertim:

Gut informierte Bewerber fallen besonders auf. Wenn ihr eingeladen werdet, solltet ihr euren potentiellen Arbeitgeber, seine Produkte und den Markt gut kennen. Sie sollten auch Ihre Persönlichkeit und Ihre Präferenzen und Motivation zeigen sowie enthusiastisch sein.

 

Frage:

Wie wichtig sind Auslandserfahrungen?

Avertim:

Auslandserfahrung kann von Vorteil sein, ist aber kein Muss. Wichtig ist allerdings über gute Englischkenntnisse zu verfügen, da wir viel mit international tätigen Firmen zusammenarbeiten.

 

Frage:

Gibt es typische Fehler, die von Bewerbungskandidaten gemacht werden?

Avertim:

Ja, oft haben Bewerber und Bewerberinnen Probleme damit ihre Qualifikationen und Erfahrungen adäquat zu präsentieren. Insbesondere bei der Präsentation ihrer Methodenkenntnisse. Oder wenn man als Bewerber einfach "offen für alles" ist und keine Präferenzen oder Schnittmengen mit einem bestimmten Bereich aufzeigen kann, welche mit dem eigenen Profil und den Erfahrungen übereinstimmt.

 

Frage:

Wird man bei der Bewerbung bevorzugt, wenn man bereits einen GMP-Kurs gemacht hat?

Avertim:

Ja, da dies bereits von einer Auseinandersetzung mit dem Thema zeugt.

 

Frage:

Wird zwischen einem Uniabschluss und einem Hochschulabschluss unterschieden?

Avertim:

Ja, es wird nach FH- und Universitätsabschlüssen unterschieden.

Frage:

Wie weit fahrt ihr normalerweise zu Kunden bzw. wie groß ist euer Gebiet?

Avertim:

In Deutschland decken wir vor allem den Großraum Frankfurt am Main ab. Die Anfahrtszeit zum Kunden richtet sich nach eurem Wohnort, im Prinzip am Besten wenn es innerhalb von 1 Stunden bleibt.

 

Frage:

Top 3 Routinen in eurem Arbeitsalltag?

Avertim:

Kommunikation (Telefonate/Meetings/Emails schreiben), Bewertungen/Analysen verfassen und Datenbankabfragen

 

Frage:

Ist Ihre Arbeit durch COVID-19 derzeit eingeschränkt?

Avertim:

Unsere Arbeit ist durch die anhaltende Pandemie nur wenig eingeschränkt. Bei Avertim sind wir es gewohnt primär digital zu arbeiten und unsere Kunden bewegen sich seit Jahren auf das papierlose Büro zu. Durch die Pandemie wurde die Implementierung von digitalen Werkzeugen für Videokonferenzen, Chat und elektronischer Unterschrift beschleunigt und bereits vorhandene Infrastruktur wurde ausgebaut.