Am 03. September 2021 fand die jährliche Mitgliederversammlung der GDCh statt. Normalerweise recht spärlich besucht, war das JCF dieses Jahr die stärkste Kraft. Anlass war ein von einigen GDCh-Mitgliedern eingereichter Antrag, in den offiziellen Publikationen auf allen Kanälen der GDCh nur noch das generische Maskulinum zu verwenden. In der Januarausgabe der Nachrichten aus der Chemie machte Chefredakteur Christian Remenyi darauf aufmerksam, dass die Zeitschrift in Zukunft gendersensible Sprache verwenden wird. Im Meinungsbeitrag (Nachrichten aus der Chemie, Januar 2021, Seite 91) macht er deutlich, dass dies nicht einfach die Verwendung eines Gendersternchens bedeutet, sondern verschiedene Möglichkeiten genutzt werden, z.B. das Ansprechen beider Geschlechter in Anreden oder das Wechseln zwischen generischem Maskulinum und Femininum. Für das Ansprechen aller Geschlechter in einem Wort wird der Doppelpunkt statt Stern verwendet. Zudem wird das Impressum erweitert und gendersensible Sprache darin verankert.

In den Korrespondenzen der nachfolgenden Nachrichten gab es zu dem Thema rege Diskussionen in beide Richtungen. Einmal wurde Herrn Remenyi nahegelegt, dass er seinen Posten räumen sollte (Nachrichten aus der Chemie, Februar 2021, S.61-62), andere Male, dass die GDCh ins linksextremistische Spektrum rücke (Nachrichten aus der Chemie, März 2021, S.83-84). Es gab auch positive Anmerkungen, die den Aufwand würdigten oder vorschlugen, doch gleich auf das generische Femininum umzuschlagen. (Nachrichten aus der Chemie, März 2021, S.83-84)

Die Diskussion gipfelte darin, dass der oben erwähnte Antrag pünktlich vor Ablauf der Frist des 06. August an den GDCh-Vorsitzenden herangetragen wurde, dass das generische Maskulinum vorsieht, es sei denn, die Mitglieder würden anders entscheiden.

Der Antrag rief verständlicherweise viele Emotionen hervor. Der JCF-Bundesvorstand rief die Mitglieder dazu auf, sich für die Mitgliederversammlung zu registrieren und abzustimmen. Würde der Antrag angenommen werden, stünde es im direkten Gegensatz zu der JCF-Geschäftsordnung und zudem würde es die Arbeit des Teams Chancengleichheit in Frage stellen. Am Ende wäre es auch ein Eingriff in die journalistische Freiheit. Auch im Anbetracht dessen, dass die Mitgliederversammlung sonst spärlich besucht ist, war es im Interesse Aller, dass möglichst viele teilnehmen und die Entscheidung auf einer breiten Basis getroffen wird.

Schlussendlich war die Mobilisierung am Ende nicht nötig geworden. Der GDCh-Vorstand konnte die Antragssteller davon überzeugen, den Antrag zurückzuziehen, da sowohl die Annahme als auch die Ablehnung dazu geführt hätte, dass viele unzufrieden gewesen wären und die GDCh auch Austritte zu verzeichnen hätte.

Damit aber nicht genug, die GDCh hat erkannt, dass das Thema gendergerechte Sprache ein wichtiges ist und entschieden, eine Kommission einzusetzen, die bis Ende 2021 einen Leitfaden für inkludierte Sprache erarbeiten wird. Dieser gilt, bis der Rat für deutsche Rechtschreibung seine Empfehlung zu dem Thema abgibt.

Das JCF geht bei diesem Thema voran und hat ein eigenes Team, das sich für Chancengleichheit . Dieses hat schon vor einiger Zeit einen Leitfaden für gendergerechte Sprache erstellt, den ihr hier einsehen könnt.